„Herzlichen Glückwunsch! Jetzt sind Sie vollständig integriert“
Nach einem anstrengenden Marathonlauf zwischen türkischem Konsulat und dem Einbürgerungsbüro stehe ich kurz vor dem Ziel. Ich bin bewaffnet mit den letzten Unterlagen zur Einbürgerung in die Bundesrepublik Deutschland. Heute soll meine Akte vervollständigt und mit einer Einbürgerungsurkunde ausgezeichnet werden. Nach langem Warten, werde ich endlich den Batzen Papiere in meinen Händen los. Obendrauf liegt mein durchlöcherter türkischer Reisepass, mit einem rot umrandeten „UNGÜLTIG“ Stempel auf jeder Doppelseite.
“Bevor wir zur Urkunde kommen, müssen sie etwas vorlesen. Das muss jeder bevor ich ihn zum deutschen Staatsbürger erklären kann. L a u t und d e u t l i c h“ bittet mich die Beamtin. Ich lese laut und deutlich -wohl gemerkt- einen kurzen Text vor, indem ich mich zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung des Grundgesetztes bekenne. „Sehr schön“ lobt mich die Dame. Dann holt sie mit äußerster Vorsicht meine Einbürgerungsurkunde aus der Klarsichtfolie. Ich bin bereit sie entgegenzunehmen. Nein! Wäre doch viel zu einfach! Anstatt mir die Urkunde zu überreichen, wird sie gegen die Richtung des Lichtes im Zimmer gehalten: „Sehen Sie, das ist ein besonderes Papier“. Ich erkenne kleine, durchschimmernde schwarze Adler. Ich nicke und lächele. Aber nicht unbedingt aus Begeisterung. Eher aus Verwirrung.
Genauso penibel schiebt sie die Urkunde dann wieder in die Klarsichtfolie. Irritiert beobachte ich die Dame und mir wird irgendwie unheimlich. Plötzlich steht sie auf. Die eine Hand hält die Urkunde, die andere wird mir entgegen gestreckt. „Oh Gott, was kommt denn jetzt…“ bevor dieser Gedanke zu Ende geführt werden kann unterbricht ihn ein „Herzlichen Glückwunsch! Jetzt sind Sie vollständig integriert“.
Ich kann kein Wort rausbringen. Ich nehme die Urkunde entgegen und gebe der Dame meine Hand. Stillschweigend setzte ich mich wieder auf den Stuhl. In mir schreit eine Stimme“ sag was, sag was….!!!!“ Aber ich kann nicht. Ich bin schockiert. Ich atme erst mal tief durch. Noch nie zuvor wurde ich mit dem Wort „integriert“ in einem positiven oder negativen Kontext konfrontiert. Für mich ist klar, dass ich, wie meine Freunde Maren oder Laura, von Anfang an Teil dieser Gesellschaft war und immer noch bin. Wieso sollte ich mich in meine eigene Gesellschaft integrieren? Paradox. Der ein oder andere mag nichts an der Aussage der Dame auszusetzten zu haben. Kein Wunder! Wir leben in einer Zeit in der Bambis und Medaillen für gelungene Integration vergeben werden. Eine große Demütigung, für mich jedenfalls. Warum kann man es nicht einfach komplett sein lassen mit dem „integriert“ oder „nicht-integriert“ Stempel? Man zerstört mehr durch dieses Schubladendenken als das man etwas schafft.
Ein anonymer Gastbeitrag
Kommentar zu den Empfehlungen der JIK an die DIK
In einer aktuellen Pressemitteilung hat die Stiftung Mercator bekanntgegeben, dass die Teilnehmer der “Jungen Islam Konferenz” ein Empfehlungskatalog mit insgesamt 10 Empfehlungen an die “Deutsche Islam Konferenz” überreicht haben.
Die Empfehlungen lassen sich im Überblick wie folgt zusammenfassen:
1. Einrichtung einer Jungen Islam Konferenz
Was mit Vertretern der staatlichen und muslimischen Seite bereits stattfindet, soll übertragen werden auf Jugendliche unter dem Namen “Junge Islam Konferenz”. Damit will die Jugend mit ihrer Lebensrealität eine Bereicherung sein, weil sie sich als “plural, vielfältig und bunt begreift und die Chancen und Potenziale unserer heterogenen Gesellschaft kennt und verinnerlicht hat“. Die Idee mit der Institutionalisierung eines festen Gremiums aus Jugendlichen ist generell begrüßenswert. Allerdings stellt sich hier die Frage, aus welchen Bereichen diese Gremienmitglieder zusammengestellt werden sollen. Gibt es kompetente Jugendliche, die sich mit der inhaltlichen Thematik auskennen? Müssen das Studierende sein? Wie ist die geografische Verteilung? Darf oder sollte man als Teilnehmer der JIK in muslimischen Verbänden oder Organisationen aktiv sein? Wie hoch ist die Altersgrenze und wer bestimmt die Teilnehmer? All das sind noch ungeklärte Fragen, dessen Beantwortung bereits eine große Hürde darstellt. Ob und inwieweit die DIK-Teilnehmer die Diskussion mit den Jugendlichen eingehen und beachten sei dahin gestellt. Erarbeitete Konzepte unter den Jugendlichen, die den DIK-Teilnehmern vor jeder Sitzung präsentiert werden und sie somit quasi parallel arbeiten, könnte so manchen Denkanstoß geben.
2. Entsendung von jugendlichen Delegierten in die Deutsche Islam Konferenz
Hierbei wird vorgeschlagen, zwei Delegierte der institutionalisierten JIK an die DIK zu entsenden, die die Ergebnisse vorstellen und den aktuellen Stand der DIK an die JIK tragen sollen. Vielleicht wäre es sinnvoller für jeden Arbeitskreis der DIK einen Delegierten zu bestimmen oder zu wählen, die nicht nur die Ergebnisse vorstellen, sondern aktiv an den Diskussionen beteiligt werden.
3. Partizipation und Interaktion fördern – Eine Deutsche Islam Konferenz zum Anfassen
Die Forderung, dass sich die DIK für BürgerInnen öffnen soll, um Anfragen, Hinweise und Vorschläge entgegenzunehmen, würde die Arbeit und das Vorankommen der DIK deutlich drosseln, da viele der BrügerInnen durch die Medien beeinflusst werden und ein verzerrtes Islambild verfügen. Voraussetzung für das Funktionieren einer solchen Interaktion ist es, dass die BürgerInnen immer auf dem aktuellsten Stand bleiben und die DIK ständig mitverfolgen. Ein Weblog könnte nur wenig Abhilfe schaffen. Eine Diskussion unter den BürgerInnen in diesem Weblog halte ich für nicht tragbar, zumal ich oft die Erfahrung von nicht sachlichen und schnell ausartenden Debatten, die bis zur Hetze übergingen, gemacht habe (wie beispielsweise im interaktiven Diksussionsportal vom Forum am Freitag). Wenn sowas nicht professionell moderiert wird, hat es eher Nachteile als Vorteile. Ich schlage daher eine höhere Transparenz vor, wie beispielsweise Live-Übertragungen aus den Konfernzen etc., spreche mich aber gegen ein Eingreifen der einfachen Bevölkerung in das Geschehen aus.
4. Ein Kuratorium für eine transparente Auswahl der TeilnehmerInnen
Mehrere Fragen ergeben sich aus diesem Punkt
- Wer bestimmt die Personen, die in diesem Gremium mitmachen sollen? Genannt werden muslimische und nichtmuslimische Personen des öffentlichen Lebens. Warum nicht Mitglieder der muslimischen Verbände? Im Extremfall wird die gesamte Arbeit abhängig von diesem Kuratorium sein, da sie ja letzendlich dafür entscheiden, wer mitmacht und wer nicht.
- Welche Kriterien sollen das sein, anhand denen die Teilnehmer festgelegt werden und vor allem, wer bestimmt diese Kriterien?
- Der höhere Grad an Legitimät erübrigt sich durch die fachliche Kompetenz, durch die Repräsentation anhand der Mitgliederzahlen (bei muslim. Verbänden) und durch politisch wichtige Funktionen bzw. Ämter.
5. Eine Wiederaufnahme der AG Medien
Kann ich überspringen. Stimme ich voll und ganz zu.
6. Einrichtung staatlich-muslimischer Dialogformen auf kommunaler Ebene
Statt kommunalen Kooperationsformen sind kommunale Organe der Innenministerien der Länder angebracht, die die Festlegungen und Beschlüsse der DIK entgegennehmen und in der Umsetzung bei muslimischen und staatlichen Institutionen behilflich werden. In dem Sinne wäre es eher ein Kontrollmechanismus als ein paralleles Dialogforum, mit dem das Vorankommen beschleunigt werden kann.
7. Signale senden – Die gesamtgesellschaftliche Akzeptanz von Islam und MuslimInnen in Deutschland fördern
Meine Vermutung ist, dass aus gegebenem Anlass, dieser Punkt beim Innenminister wenig Gehör finden wird.
8. Weniger Staat – mehr BürgerInnen
Eine Öffnung für BürgerInnen sehe ich für ergebnishemmend. (Siehe Punkt 3)
9. AkteurInnen der Deutschen Islam Konferenz als MultiplikatorInnen begreifen
Stimme ich ebenfalls zu.
10. Begriffe neu denken: Die Einführung eines Begriffskodexes
Der Vorschlag ist: statt Begriffe wie “wir” und “ihr”, “muslimisch” und “saatlich” zu verwenden, soll das Gemeinsame betont werden. Wir haben nicht den Punkt erreicht, wo die Unterschiede bereits feststehen, allgemein bekannt sind und wir nun darauf aufbauend einen neuen Begriffskodex erfinden können, der das Gemeinsame in den Vordergrund stellt. Damit eine effiziente Arbeit geleistet werden kann und die DIK ein Erolg wird, müssen erst einmal die Unterschiede vollständig geklärt werden. Was unterscheidet die muslimische Seite von der staatlichen? Wo sind die Unterschiede der muslimischen Verbände zu kirchlichen Institutionen? Wenn solche Fragen geklärt sind, wird es einfacher sein, das Gemeinsame zu betonen. Viel wichtiger ist die Vorantreibung der Anerkennung des Islams als öffentlich-rechtliche Religionsgemeinschaft, um auch Empfehlung 7 allen BürgerInnen vor Augen zu führen, sprich dass der Islam (schon seit mehr als 50 Jahren) ein Teil Deutschlands ist . Aus diesen Resultaten heraus kann das Gemeinsame betont werden. Nicht anders herum.
Bilal Erkin (23) ist Islamwissenschaftler (BA) und Master-Student der Islamischen Theologie (MA) an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Private Website: http://bilalerkin.de
bî-fikr.
einfallslos.
Kıyâs-ı Nahl
Der “Bienenvergleich”
Das Jahr 2010 neigt sich dem Ende zu und die TV-Sendungen trauen die nächsten Tage einen Rückblick auf die vergangenen wichtigen und redundanten Ereignisse, die Deutschland über 300 Tage beschäftigte. Bis die BRD am Anfang des Jahres 2011 ankommt, “feierten” die Muslime bereits am 07. Dezember das Erreichen der Jahreszahl 1432.
Was Muslime und Nichtmuslime in diesem Punkt verbindet, ist die Frage, was wir mit diesem angehäuften Material an Informationen anstellen sollen. Lohnt es sich alles aufzunehmen, jedes Zitat auswendig zu lernen und unsere Planungen im nächsten Jahr danach auszurichten oder ist es eher naheliegender, alles zu ignorieren und auf ein besseres Jahr zu hoffen?
Den Mittelweg zu finden ist eine Herasuforderung, die nicht jeder sinnvoll bewältigen kann. Wie auch in fast allen anderen Bereichen, ist die Geschichte der beste Lehrer. Diesmal wurde ich in der Geschichte des Christentums fündig. weiterlesen
Mezâr – Das Grab
Blind und taub möget ihr seiN
wInd des Feuers weht hineIn
baLd werden wir es alle merKen
schAnd und gier machen unRein
stilL werden einst die hErzen
Fikr-i Herzekarâne
Ein absurdes Verständnis
“Ich sage zu meinen Schülern auch immer: ‘Wenn wir hier in der Klasse stille Post spielen, dann kommt am Ende auch etwas anderes raus’. Genauso verhält es sich mit Prophetenüberlieferungen (Hadith), wo man nicht weiß, ob der Originalinhalt erhalten geblieben ist”
Och Nein…. Nicht schon wieder der Vergleich mit der “stillen Post”! weiterlesen
Bis Nur DU Bleibst…
Die gefallenen Blätter des Herbstes,
Die eingetroffene Kälte des Winters,
Und die verschiedensten Tiere der Natur,
Blende ich aus – Bis Nur DU Bleibst…
Den belastenden Stress des Alltags,
Die beruhigende Stille des Wassers,
Und die störenden Blicke des Hassers,
Beachte ich nicht – Bis nur DU Bleibst…
Die schönsten Momente durch die Liebe,
Die tristen Gefühle für den Toten,
Sowie die Nachricht des Boten,
Überdecke ich – Bis Nur DU Bleibst…
Gefesselt zu sein von der Einsamkeit,
Entzogen zu sein von Zweisamkeit,
Des vieler Menschen Hass und Neid,
Macht mir nichts aus – Weil nur DU Bleibst…
(هو الباقي)
Durch eine spontane Inspiration (ilhâm) sind mir soeben diese Zeilen eingefallen. Ich hoffe es gefällt euch…
Wie viel Rassismus vertragen die Muslime?
statt der Frage “Wie viel Islam verträgt unser Land?”
Bis heute habe ich mich in meinen Blogartikeln von heiklen Themen, wie sie in aktuellen Debatten geführt werden, zurückgehalten. Die Entwicklungen in den letzten Tagen, vor allem Sendungen wie hart aber fair, die ihre Themen besonders einfallsreich benennen (zu nennen ist die Sendung vom 13.10.2010 “Özil hui, Ali pfui – welche Zuwanderer brauchen wir?”, bringen die Debatten auf den Höhepunkt.
So wie im Artikel der taz-Kolumnistin Kübra Yücel (Mesut Özil ist deutsch, ich bin es nicht, vom 12.10.2010) frage ich mich ebenfalls, warum ein deutscher Nationalspieler mit türkischen Wurzeln, der weder die deutsche noch die türkische Sprache problemlos beherrscht, als Symbol der “gelungenen Integration” glorifiziert wird, viele überintegrierte Perönlichkeiten aus dem öffentlichen Leben jedoch als Deutsch-Türken bezeichnet oder gar als rückständig betrachtet werden nur anhand ihrer äußeren Erscheinung.
Sarrazin-Effekt im ganzen Land
Nach den Aussagen von Sarrazin hat sich das separatistische Gedankengut, das die gesellschaftliche Entwicklung mehrere Jahre zurückwirft, im ganzen Lande ausgebreitet und die Menschen sind mutiger geworden, diese öffentlich zum Ausdruck zu bringen.
Ein konkretes Beispiel? Ich biete sogar zwei aus meiner eigenen Erfahrung, die sich in diesen Tagen ereignet hat.
Das erste Symptom der sarrazinischen Psycho-Krankheit einer älteren Dame durfte ich letzte Woche in meiner Heimatstadt Köln erfahren. Ich saß im Bus und telefonierte in einer Fremdsprache (türkisch). Der weibliche Fahrgast neben mir wollte aussteigen, woraufhin ich mit einer höflichen Gestik Platz machte, alsdann sich der folgende Dialog zwischen uns bildete:
“Gott sei Dank, dass ich jetzt aussteigen muss. Ist ja kaum zu ertragen ihr Gerede!”
“Wie bitte? Ich glaube Sie falsch verstanden zu haben. Haben Sie eben gesagt, dass es Sie stört, wenn ich in einer Fremdsprache telefoniere?”
“Nein! Ich hab’ ein Problem damit, dass Du überhaupt redest!”
“Ich glaub ich höre nicht richtig. Sarrazin-Effekt?!” (Schmunzeln bei den Fahrgästen; unwissend, ob es ein Ausdruck der Verlegenheit oder der Verachtung ist)
Sollte ich mich darüber aufregen, dass ich als Ausländer abgestempelt worden bin, dass die Dame mir von oben herab geredet hat, indem sie ihre Höflichkeit aufgab und in der zweiten Person Singular sprach, oder dass sie diskriminierende Worte von sich gab ohne dass überhaupt jemand reagierte?
Soweit so gut. Durch mein Hochschulwechsel von Köln auf Münster genoss ich eine gewisse Vorfreude über einen neu zu beginnenden Lebensabschnitt, frei von jeglichem Rassismus, anderweitiger Diskriminierung, jedweder Verachtung, gefüllt mit Toleranz und Aufgenommenheit, Respekt und Aufgeschlossenheit.
Wie blauäugig von mir aber auch!
Woher hätte ich denn wissen sollen, dass mich die Sarrazin-Krankheit auch hier verfolgt, um mich zu kränken und letzendlich zu töten? Heute fuhr ich traditionell mit einem Fahrrad in der Altstadt und sah einen älteren Mann, überzogen mit einem schwarzen Kittel mit einer weißen Aufschrift: “Merkel verschuldet Deutschland um die TÜRKEN zu ernähren!”.
Ich wollte es nicht wahrhaben! Ich war fest davon überzeugt, dass der Sarrazin-Effekt nachgelassen hat, aber anscheinend verstärkt es sich mit den Folge-Debatten, die aus dem Saatgut des Ex-Bundesbankiers entsprungen sind.
Was soll ich machen? Ignorieren, so wie einige Facebook-Kollegen es mir raten? Auswandern und Material für die Presse (u.a. Focus) liefern, die seit gestern Rundmails schickt, dass sie dringend hochqualifizierte, türkischstämmige Personen suchen, die mit dem konkreten Gedanken spielen, auszuwandern?
Oder nach diesen grotesken Schlagzeilen und Erlebnissen mich einfach vor die Glotze setzen und als Dessert die sinnlosen und nichtsbringenden Islam/Integrations- Debatten im Fersnseher im Munde zergehen lassen?
Danach werde ich ja eh sieben bis acht Stunden haben, während des Schlafs in eine Traumwelt zu fallen, wo es diese Probleme nicht gibt bis es wieder heißt: “Aufwachen! Willkommen auf der wahren Seite des Lebens! Darf ich mich vorstellen: Ich bin dein Albtraum a.k.a. Sarrazin-Effekt!”
Mesut Özil ist deutsch, ich bin es nicht
Çark-ı Müslimîn
Muslimische Zahnräder
Nun ist es passiert. Die kleinen Muster-Bauteile eines Prototypen wurden über das ganze Land verteilt. Der Teststart erfolgte am Freitag, den 24.09.2010 und lief den folgenden Tag auf Hochtouren. Die besten Produkte wurden nach einer harten Qaultitätsprüfung aussortiert und geehrt.
Jedes Zahnrad hatte eine andere Besonderheit und eine andere Herkunft. Wegen Ihren verschiedenen Größen und Anwendungsbereichen wurden sie nach Gruppen sortiert und als Teilsystem zum Laufen gebracht. Das langfristige Ziel ist nun, die entsprechenden Teilsysteme zu einem großen System zusammenzubauen und solche Produkte zu produzieren, aus denen jeder einen Nutzen ziehen kann und die Gesellschaft für ein besseres Zusammenleben fördern wird.
Was sich so anhört wie die feierliche Eröffnung eines Atomkraftwekrs, ist eigentlich die Zusammenkunft mehrerer junger Muslime mit innovativen Ideen in Wuppertal, wo sie für ihre Projekte werben konnten. Zahnräder hieß sie.
Ich selbst nahm mit einigen Kollegen mit dem Projekt “Abi in der Tasche – Auf geht’s zum STUDIUM” teilgenommen und repräsentierte die TUGRA e.V. Dabei geht es um ein kostenloses Beratungsangebot für Abiturienten, Studieninteressierte und Erstsemester, die ihre Fragen und Probleme auf der Beratungshomepage stellen können und diese von ehrenamtlichen Beratern aus den verschiedensten Städten Deutschlands und den ausgefallensten Studiengängen beantwortet werden können.
Neben unserem Projekt gab es 50 weitere solcher Projekte, die zum größten Teil weit über meinen eigenen Erwartungen lag. Ich konnte viele neue Gesichter kennenlernen, mich mit ihnen austauschen und gemeinsam unser Projekt ausbauen und verbessern.
Auch wenn es für einen Förderpreis nicht ausgereicht hat, die Produktivität der und die Zusammenarbeit der drei Tage hat unsere Zufriedenheit gewonnen. Die Projektinhaber sind nun in ihren Heimatsstädten, aber die Maschine läuft trotzdem.
Auf die Wiederaufnahme der Produktvorstellung im nächsten Jahr wünscht,
Bilâl-i Münsterî
Kiyâset bi’l-Erkâm
Die Klugheit mit den Zahlen
Ich bin in der Innenstadt unterwegs mit einem Freund von mir, der sich einen neuen Fernseher kaufen möchte. Ein großes Elektrogeschäft hat zurzeit ein Angebot, mit dem man seinen alten Fernseher loswerden kann und beim Kauf eines neuen Gerätes mit einem Wert von über 500 €, 100 € Rabatt dafür bekommt. Hört sich auf Anhieb einladend an, weswegen mein Kollege fasziniert davon dessen Nutzung vorschlägt.
Wir stehen vor den vielen Flachbildschirmen und schauen uns die technischen Eigenschaften genauer und vergleichen sie miteinander, weil die Qualität der Optik für mich vor dem Preis kommt. Mit einem flüchtigen Blick auf die nebeneinander stehenden Preisschilder merkt man nicht so viel. weiterlesen
Teneffüs-ü kitâbet
Schreibpause
Wie einige von euch schon bemerkt haben, konnte ich seit ungefähr einem Monat keinen Blogartikel mehr verfassen.
Der Grund liegt ganz einfach darin, dass ich nach meinem Istanbul-Aufenthalt in meine Heimat Aydin/Izmir gereist bin und dort stark eingeschränkte Internetverbindungsmöglichkeiten hatte. Ich hatte zwar vor, sobald ich in Deutschland wieder ankomme, die ausgebliebenen Eindrücke und Erfahrungen aus Istanbul nachzuholen. Der Universitätstress, die Vorbereitungen für die Lehrveranstaltungen und die Abarbeitung der seit Monaten aufgestauten Post, raubten mir jedoch meine Freizeit.
Trotz alldessen, verspreche ich, die Artikel noch zu verfassen und euch wieder, wenigstens für ein paar Minuten, gedanklich nach Istanbul zu verleiten.
Bis die Tage,
Vesselam!
Şakirin Cami
Şakirin Moschee
Übergang von Europa nach Asien. Zwischen Kadıköy und Üsküdar. Karacaahmet Friedhof. Große Eingangstoren aus Eisen mit schönen Ornamenten. Eine große silberne Kuppel mit Streifenmustern. Flankiert von 2 schmalen und eisernen Minaretten. Der Hof aus rötlichen großen Steinblöcken, birgt im Innern eine Fontäne. Eine Fontäne als eine Kugel in chrom. In der Mitte der Kugel wird Wasser freigesetzt und im Becken aufgesammelt. Die Reflexionen zeigen automatisch die hinteren und seitlichen Säulen des Vorhofs, ohne sich umzudrehen. Eine goldene Kalligrafie in “Sülüs” auf dunkelrotem Hintergrund. Schuhe ausziehen und rein in die Moschee. Eine grauer Teppich mit roten dreieckförmigen Zeichnungen, die die Gebetsrichtung anzeigen. Rosenduft in der Luft. Große Glasscheiben an jeder Seite dienen als Wände. Die Glasscheiben sind doppelbeschichtet. Zwischen den Schichten ein Seitenmuster aus Gold. Hauch dünn. Fast schon transparent. Zeilen wurden ausgeschnitten. Nicht gerade, sondern so, dass der Blick von einiger Entfernung Koranseiten Koranseiten assoziiert. Hinter den Glasscheibennach nach außen hin eine Ornamentenwand aus dunkel gefärbtem Metall. Sie wirft einen wunderschönen Schatten auf den Gebetsteppich von allen Seiten. Vor mir die Gebetsnische. Ein in den Boden “eingepflanzter” türkisfarbener Halbmond, innen ausgelöffelt und mit goldener Farbe gestrichen. Ein junger Imam mit Lesepult hält eine religiöse Predigt. Rechts von der Gebetsnische befindet sich die Mimber. Beige und wie aus einem Science Fiction Film. Die ästhetischen Rundungen und die beiden dominierenden Linien, die in die Höhe ragen, verleihen ihr ein individuelles und modernes Aussehen. Ein Blick auf die Kuppel. Im Zentrum rotgefärbt, übt der Farbverlauf ins dunkle rosa ein optisch räumliches Erscheinen. Die dezenten goldenen Radienten, die sich gebogen aneinanderreihen setzen die Kuppel in Bewegung. Drei ineinandergreifende Kreise in wachsender Größe, lassen starrgewordene gläserne Tropfen von sich hinab. Die Riesentafeln in den sphärischen Dreiecken stellen wie gewöhnlich die Namen: Allah, Mohammed, Abu Bakr, Osman, Ali und Omar dar.
Fazit: Eine zeitgemäße Moschee, die ein guter Repräsentant für den oft plädierten Euro-Islam sein kann. Interessant, weil sie von einer weiblichen Architektin gebaut wurde. Sehenswert, wegen der harmonischen Synthese zwischen Orient und Okzident. Zwischen moderner Kunst, Design und Gestaltung in Berührung mit islamischen Elementen.
Bisherige deutsche NAchrichtenartikel über diese Moschee:
Cübbe, Sarık ve Galata
Talar, Turban und Galata
In den Zwischentagen seit meinem letzten Eintrag habe ich überwiegend gearbeitet und an freien Tagen etwas für meine Hausarbeit getan. Heute ist es wieder soweit. Es ist Freitag und das Freitagsgebet liegt an. Diesmalige Moschee, in der beten werde, ist die Fatih Moschee in dem gleichnamigen Stadtteil. Die Buslinie 87 soll mich dorthin führen. Gestern Abend auf dem Rückweg von unserem Geschäftsessen in einem uighurischen Restaurant, bin ich meinem leeren Akbil zum Opfer gefallen. Um die späte Zeit ist es auch noch schwer einen Jeton Verkäufer (Alternative zu Akbil) zu finden. Um dieser Unannehmlichkeit ein Ende zu bereiten lade ich es an einer Ladestation auf. Ich konnte heute nicht wie gewohnt früh aufstehen, weil ich gestern Abend sehr spät im Bett war. Als Konsequenz hab ich das Frühstück im Wohnheim verpasst. Das Problem ist nur, dass ich unbedingt etwas essen muss, damit ich gut in den Tag starten kann. Auf dem Weg zu den Bushaltestellen sticht mir direkt ein Börek-Laden ins Auge mit einem kleinen Außensitzbereich. Ich bestelle einen heißen Börek mit Schafskäse und dazu einen türkischen Tee. Während ich meinen warmen Tee schlürfe und den qualmenden Börek genieße, betrachte ich die Menschen, die zu ihren Arbeitsstellen oder zu ihren Unis und Schulen eilen und höre immer wieder hupende Autos. Morgens wird in Taksim zusätzlich zu den Ampeln zwei oder drei Verkehrspolizisten mit Trillerpfeife eingesetzt, um den Verkehrschaos aufzulösen. Die Schwierigkeit kann jeder leicht von ihren Gesichtern ablesen. Als ich mit meinem Frühstück fertig bin, setze ich mich in den Bus und warte, bis es losfährt. weiterlesen
Salâtü’l Cumâ ve Ayasofya
Freitagsgebet und die Hagia Sophia
Mein Vorhaben von letzter Woche, jeden Freitag an einer anderen großen Moschee zu beten, setze ich heute in der Sultanahmet Moschee um. Allein das besichtigen dieser Moschee hatte mir nicht gereicht. Ich wollte dieses Prachtwerk nochmal in einem gemeinsamen Gebet erleben. Zwar war vorerst die Idee die Mevlid-Nacht hier zu verbringen, aber der große Verkehrschaos hatte mich gestern daran gehindert. So gehe ich heute hin. Früh aufgestanden und früh losgegangen, komme ich eine Stunde vor Beginn des Gebetes in der Moschee an. Es sind nur die ersten zwei oder drei Gebetsreihen belegt. Vorne an der Gebetsnische sitzt ein älterer Mann mit einer Fischersmütze und einem schwarzen Mantel und rezitiert auswendig aus dem Koran. Die Stimme beruhigt. Als der Mann mit der Rezitierung fertig ist, beginnt der Imam auf der Predigtkanzel die gewöhnliche Predigt vor dem Gebet. So langsam füllt sich auch der Gebetssaal. Der Muezzinruf ertönt und ich blicke nach hinten und sehe keinen einzigen freien Platz mehr. Das Gebet fängt an, wir verrichten es und gehen anschließend aus der Moschee. weiterlesen
Velâdet Kandili
Die Geburt des Propheten Mohammed (s.a.v.)
Heute ist ein ganz besonderer Tag. Das Wetter ist schön und ich bin in guter Laune. Keine Anzeichen von Müdigkeit oder Schlafmangel. Heute verbringe ich wieder mal nur einen halben Tag im Institut. Um 14:00 Uhr findet nämlich ein Vortrag in der Yıldız Universitesi statt, zu der wir hingehen werden. Die Yıldız Üniversitesi befindet sich im Stadtteil Beşiktaş unweit von Taksim und besitzt einen unabhängigen Campus. Personen, die nicht an dieser Universität studieren kommen im Regelfall nicht hinein. An allen Eingängen sind Kontrollbeamte, die die jeweiligen Studenten auf den Studentenausweis hin kontrollieren. Da das Orient Institut Mitveranstalter dieses Vortrages ist, kommen wir ohne Probleme hinein. Der Campugarten beherbergt viel Grün und ist abgeschottet vom ganzen Lärm der Stadt. Keine herumfahrenden Autos, keine Huperei und keine Menschenmassen. Eine schöne und angenehme Lernatmosphäre mitten in der Natur. Ja hier würde ich gerne studieren wollen. weiterlesen
Eyyûb el-Ensârî ve Pierre Loti
Ayyûb al-Ansârî und Pierre Loti
Meinen freien Tag im Praktikum habe ich nicht umsonst auf den Freitag verlegt. Ich habe mir nämlich vorgenommen, von nun an jeden Freitag in einer großen berühmten Moschee das Freitagsgebet zu verrichten. Heute ist die Wahl auf die Moschee vom Prophetengefährten Ebû Eyyûb el-Ensârî gefallen. Meine frühen Vorbereitungen hab ich bereits im Studentenwohneim getroffen und muß nur noch die sogenannte “Akbil” (Fahrkarte) kaufen und meinen Bus finden, der mich zum Stadttteil Eyüp bringen soll. Akbil sieht aus wie ein Flaschenöffner und hat am einen Ende eine Art Batterie aus Stahl befestigt, auf der Mann Geld aufladen kann. Je nach Strecke und je nach Transportmittel ändern sich die Gebühren. Um nicht in den Stress mit dem Kleingeld zu kommen, lädt man diese Akbils an Automaten auf und berührt beim Einsteigen in ein Verkehrsmittel einen spziell angefertigten Bereich und die entsprechende Gebühr wird vom Konto abgebucht. weiterlesen
Seyr-i Emâkin-i Târihî
Besichtigung historischer Orte
Heute ist ein besonderer Tag. Ich arbeite nur einen halben Tag und werde danach mit meinem Herzensbruder Cüneyd die Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten gemeinsam besichtigen. Es ist kurz vor zwölf. Da wir uns um halb eins auf dem Taksim Platz treffen wollten, verabschiede ich mich von meinen Kollginnen und Kollegen und gehe aus dem Institut. weiterlesen
Cadde-i Istiklâl ve Secdegâh-ı yek-ser
“Istiklal Caddesi” und die alleinstehende Moschee
Nach der Arbeit nehme ich nicht die gewöhnliche Route zurück zum Wohnheim sondern probiere die Parallelstraße aus, um neue Straßen kennenzulernen. Es endet im Fiasko. Ohne Stadtplan und ohnehin ohne Plan im wahrsten Sinne des Wortes finde ich mich in eng verwinkelten, sich ähnelden Straßen wieder, in denen Mensche aller Art rumkursieren und mich als Fremden bemerken. Schnell fließt vom ganzen Körper Schweiß aus Stress und aus der Angst sich in den Gassen von Istanbul zu verlaufen und jemanden nach einem Weg zu fragen. weiterlesen
Mescideyn-i Tophâne
2 Moscheen in Tophane
Heute habe ich einen freien Tag. Ich nehme mir vor, zwei Moscheen, die mir vom Fenster meiner Praktikumsstelle aufgefallen sind, zu besuchen. Bevor ich mich in den Straßen von Istanbul verlaufe, klappe ich mein Laptop auf berechne meine Route und mache mich auf den Weg.
Vom Taksim Platz geht es zuerst in Richtung Cihangir. Vorbei am deutschen und italienischen Krankenhaus geht es runter nach Tophane. Ich bemerke eine kleine grüne Fläche mit Sitzgelegenheiten und einer tollen Aussicht auf den Goldenen Horn und auf den Bosporus. Auf dem Weg dorthin bemerke ich ein Fernsehteam, das sich gerade auf einen Filmdreh vorbereitet. Sitzend auf der halbkreisförmigen Bank mit einer sehr schönen Moschee im Vordergrund, dem Bosporus im Mittelgrund und der Ayasofya Moschee mit den vorbefliegenden Möwen im Hintergrund genieße ich die Landschaft und die frische Meeresbrise. weiterlesen
Deryâ-ı Ulûm
Ein Meer an Wissen
Ich fühle mich überrumpelt von der Vielzahl von Büchern während ich arbeite, aber das gefällt mir. Die hohen Regale bis zur Decke, der Staub, der sich über den Büchern gebildet hat und der Geruch alter Drucke sind typische Merkmale einer gut bestückten Bibliothek.
Damit ihr die Bibliothek ein wenig näher kennenlernt, zitiere ich zuerst die Selbstbeschreibung aus deren Internetseite: weiterlesen
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